BONIS · BEETHOVEN · BRAHMS
Wie schön sieht Salome als Skulptur von Max Klinger aus. Ernst, aber gelassen und ja: zufrieden. Wären da nur nicht diese abgehackten Köpfe unter ihr ... Die Blutrünstigkeit und gleichzeitige Verführungskraft dieser Figur ist in gerade dieser Gegensätzlichkeit ein beliebtes Motiv des Fin de Siècle. Eine starke, schöne Frau? Ja gern. Aber so ganz zu trauen ist dieser nicht. Doch anders als Richard Strauss in seiner Oper setzt die französische Komponistin Mélanie Bonis den Fokus nicht in einem dramatischen Höhepunkt auf den auf einem Tablett servierten Johannes-Kopf. Bonis vertont den Tanz der Salome. Der ist zwar auch nicht unschuldig. Und dennoch liegt in Bonis’ Musik mehr Schönheit, mehr Zartheit, weniger Aggression. Der Blick einer Frau auf diese Frau, welch immer noch ungewohnte Perspektive! Die Dirigentin Bar Avni leitet dieses Konzert, das der Salome zwei männliche Schwergewichte der Musikgeschichte hinten nach stellt: Beethovens drittes Klavierkonzert – das Dunkle, das Aufgewühlte – mit Ryan Wang (*2007) als Solist. Und die nur vordergründig leichte Symphonie Nr. 2 von Johannes Brahms, unter deren frühlingshafter Heiterkeit schnell eine melancholische Verschattung liegt.
Program
Mélanie Bonis
„Salomé“ op. 100
Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37
Johannes Brahms
Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73
Artists
Bar Avni, Leitung
Ryan Wang, Klavier
Prelude
19 UhrKonzerteinführung