MARTINŮ · HAYDN · DVOŘÁK
Ein unheimliches Rauschen, ein Schaben der Streicher eröffnet die Toccata von Bohuslav Martinů. Es klingt nach Alarm, nach Unwohlsein. Die Bässe flirren weiter bis ein klares Klavier sich aus der tiefen Unruhe herausschraubt, kurz einen Moment der tonalen Eindeutigkeit schafft, Streicher und Holzbläser mitnimmt. Man hört den Rückbezug auf den Barock, den Martinů hier komponiert hat. Doch so ganz zusammen findet das nicht mehr. Da ist zu viel zersplittert, zu viel zerbrochen. Bohuslav Martinů hat diese Toccata zusammen mit zwei Canzoni 1946 komponiert. Der zweite Weltkrieg war gerade vorbei. Und Martinů war kurz zuvor schwer gestürzt. Unter diesem Eindruck kann nichts Heiles mehr entstehen. Haydns Oboenkonzert wird hingegen von der Formstrenge der Wiener Klassik zusammengehalten. Die Unsicherheit liegt eher in der Entstehungsgeschichte – ob das wirklich Haydn komponiert hat, weiß keiner so genau, auch wenn die Solostimme (Ramón Ortega Quero, Solooboist des BR-Symphonieorchesters) weiterhin strahlt und glänzt. Unter der Leitung von Ruth Reinhardt gibt es abschließend die Symphonie Nr. 6 von Dvořák, der mit dieser Musik eine spezifisch tschechische Musik schreiben wollte. Etwas, das unter Martinů gut 50 Jahre später dann in Trümmern lag.
Program
Bohuslav Martinů
„Toccata e due canzoni“
Joseph Haydn
Oboenkonzert C-Dur
Antonín Dvořák
Symphonie Nr. 6 D-Dur op. 60
Artists
Ruth Reinhardt, Leitung
Ramón Ortega Quero, Oboe
Prelude
19 UhrKonzerteinführung